Margin Calls und der (systematische) Katalysatoreffekt für Kursstürze und Unsicherheit

Margin Calls haben die Kursstürze durch den Covid-19 Schock im März massiv verstärkt und beschleunigt. Erst durch Liquiditätsinterventionen durch das FED und den dadurch erreichten Stopp der Welle an Margin Calls kann auch der Vermögenspreisverfall gebremst werden. Zentralbanken und ihre Fähigkeit, schnell und gezielt einzugreifen, scheinen somit essenziell für eine Stabilisierung des Finanzmarktes.

Die im Frühjahr 2020 aufkommende Covid-19-Pandemie ist gedanklich zumeist verbunden mit den Worten „Lockdown“ und „Kontaktbeschränkungen“. Der geplante Familienurlaub wird gestrichen und Home-Office etabliert sich, wo möglich, als die präferierte Alternative zur Arbeit im Büro. Auch an den Kapitalmärkten hat die Covid-19-Pandemie Spuren hinterlassen.

Bis Ende März fielen die Preise von Vermögenswerten massiv. Nicht nur die gängigen Indizes wie der S&P 500, Dax oder Euro Stoxx 50 waren davon stark betroffen. Zwischen Mitte Februar und Ende März verloren diese jeweils fast 40%. Der Goldpreis sank zwischendurch ebenfalls um 10% innerhalb einer Woche. In dieser Phase wurde eventuell ein neues systematisches Risiko in der Finanzwirtschaft offenbart.

Viele Anleger nutzen Margin Accounts für ihre Investitionen. Ein Margin Account ist prinzipiell gleich aufgebaut wie der geläufige Brokerage Account. Allerdings besitzt der Margin Account die Besonderheit, dass der Broker zusätzliches Kapital für Investitionen zur Verfügung stellt. Da Vermögenswerte mit Fremdkapital gekauft wurden, waren Investoren gezwungen Vermögenswerte zu verkaufen, um die Liquidität zu erhöhen und die Margin Calls (Anruf bei Unterschreitung einer festgelegten Eigenkapitalschwelle des Margin Accounts) zu bedienen. Durch die Verkäufe sank der Preis der Vermögenswerte erneut und weitere Margin Calls wurden ausgelöst. Der Drang nach Liquidität und der dadurch entstehende Katalysatoreffekt beschleunigten den Vermögenspreisverfall. Es sei angemerkt, dass letztlich auch die Banken von dem Risiko bei fremdfinanzierten Geschäften betroffen sind. Dies ist der Fall, wenn ein Kunde dem Margin Call nicht nachkommt, folglich der Vermögenswert zum aktuellen Marktpreis abgestoßen wird und dadurch ein Verlust entsteht.

Erst durch drastische Maßnahmen der Zentralbanken wie des U.S. Amerikanischen Federal Reserve Systems (FED) konnte der Vermögenspreisverfall gestoppt werden. Gestützt durch Liquiditätshilfen der FED wie bspw. dem Quantitative Easing (QE) Programm erholten sich die Kurse langsam wieder.

Zukünftig ist von einer höheren Abhängigkeit der Vermögenspreisentwicklung von der Geldpolitik der FED auszugehen. Der katalysierende Effekt der Margin Calls ist als bleibendes systematisches Risiko anzusehen. Es ist anzunehmen, dass die nächste Krise schlimmer wird bzw. der Vermögenspreisverfall durch Schocks wie Covid-19 schneller und noch drastischer ausfällt.

Erstellt von Jannis Eckhardt. Er hat dieses Thema im Rahmen seiner Bachelorarbeit am Lehrstuhl für Geld und Währung (520A) unter der Betreuung von Herrn Prof. Dr. Michael P. Evers  behandelt.

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